Aktuelles

pro filia-Jahresbericht 2018

 

1.Einleitung

Im November 2018 ist der Verein pro filia 10 Jahre alt geworden! Im kleinen Freundeskreis von 8 Beteiligten gegründet, haben wir inzwischen mehr als 200 Mitglieder. Unser Ziel war, Projekte gegen Mädchenhandel aufzubauen. Der erste, sehr wichtige Schritt bestand darin, vor Ort eine verlässliche Nichtregierungsorganisation zu finden, mit der wir unsere Pläne zur Unterstützung gefährdeter Mädchen umsetzen konnten. Diese Organisation fanden wir mit MAITI Nepal. Wir entschieden uns daraufhin, unsere Projekte in Nepal aufzubauen und fuhren hin, um einen Kooperationsvertrag zu formulieren und zu unterschreiben.

Vertragsunterschrift bei MAITI 2008  und Treffen 2018 in Kathmandu!
Vertragsunterschrift bei MAITI 2008 …  … und Treffen 2018 in Kathmandu!

Die Zahl unserer Hilfsprojekte in Nepal hat seitdem kontinuierlich zugenommen:

  • Seit 10 Jahren finanzieren wir ein Schutzhaus, in dem jährlich 4-500 gerettete Mädchen eine erste Zuflucht finden.
  • Ebenfalls von Anfang an übernahmen wir die Kosten für Aufklärungskampagnen zum Thema Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten.
  • 2010 stiegen wir dann zusätzlich in die Finanzierung der Gehälter von anfangs 10 Grenzbeobachterinnen ein - jetzt sind es 35! Selbst gerettete junge Frauen, halten sie jährlich ca. 1.750 Mädchen noch direkt an der Grenze zu Indien auf und vermitteln sie z.B. in ein Schutzhaus.
  • 2011 haben wir mit der Kostenübernahme des Reha-Heims in Itahari begonnen. Hier werden jährlich rund 40 Mädchen betreut und erhalten eine berufliche Ausbildung.
  • Seit 2013 bieten wir eine Ausbildung in PC-Kompetenzen an - fast revolutionär für Mädchen in Nepal. Hieran nehmen jährlich 40 Mädchen teil.
  • 2016 weiteten wir unsere Ausbildungsangebote weiter aus - es gibt seitdem Trainings zur Schneiderin, Köchin, Imkerin, Pilzfarmerin und Reparateurin von Computer Hardware. 2017 und 2018 kamen noch die Ausbildung zur Fahrerin und zur Friseurin/Kosmetikerin hinzu.
  • Parallel dazu stand die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze im Vordergrund wie z.B. der Aufbau von jetzt 8 Schreibbüros mit insgesamt rund 40 Arbeitsplätzen, 10 Schneidereien mit ca. 70 Arbeitsplätzen und Anschubfinanzierungen für den Aufbau eines kleinen eigenen Geschäfts/Unternehmens, mit denen 56 junge Frauen unterstützt wurden.

In den vergangenen 10 Jahren erhielten mehr als 10.000 Mädchen und junge Frauen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Das ist ein Grund für große Freude und verstärkt noch weiter unsere Motivation, massiv gegen Mädchenhandel vorzugehen und so viele Mädchen wie möglich so intensiv wie nötig zu unterstützen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben.

Wir sind sehr glücklich über das in 10 Jahren Erreichte und danken allen, die uns dabei unterstützt haben!

 

2. Das Problem Mädchenhandel

In vielen Gegenden Nepals haben Mädchen seit Hunderten von Jahren fast keinen Wert. Sie kosten Geld, bei der meist frühen (Zwangs-)Heirat wird eine Mitgift erwartet, Töchter arbeiten dann im Haushalt des Mannes und versorgen dessen Eltern und nicht die eigenen. Häufig werden sie Opfer von häuslicher Gewalt und Vergewaltigungen.

Und nepalesische Mädchen werden massenhaft versklavt: Jährlich werden etwa 12.-15.000 Mädchen in indische Bordelle oder die Emirate verkauft und sexuell ausgebeutet. Sie sind oft erst zwischen 12 und 16 Jahre alt. Die überwiegende Zahl überlebt diese Zeit nicht - die Mädchen sterben an den Folgen von Gewalt, Drogen und Krankheiten wie Aids, Hepatitis etc.! Wegen ihrer oft hellen Hautfarbe gelten Nepalesinnen in Indien als besonders schön. Außerdem gibt es in Indien einen zunehmenden Frauenmangel. Mädchen werden dort häufig abgetrieben oder direkt nach der Geburt getötet.

Manche Mädchen werden aus dem Bordell befreit - z.B. durch ein von unserer nepalesischen Partnerorganisation MAITI in Indien aufgebautes Hilfsnetzwerk! Diese Mädchen unterstützt pro filia - denn die Eltern nehmen sie häufig nicht zurück. Und pro filia trägt vor allem dazu bei, für viele Mädchen den Verkauf ganz zu verhindern! Durch die von pro filia in Nepal finanzierten Projekte erhalten zurzeit jährlich rund 2.000 Mädchen und junge Frauen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben.

 

3. Zusammenarbeit mit MAITI Nepal

Anuradha Koirala, die Gründerin von MAITI, ist nach den letzten Wahlen in Nepal in die Politik gewechselt und 2018 Gouverneurin für das Gebiet Kathmandu und Umgebung (Provinz 3) geworden. Wir hoffen, dass sie jetzt mehr Einfluss auf die Politik nehmen kann und damit auch auf den Kampf gegen Mädchenhandel! Sie hat ihren bisherigen Stellvertreter Bishwo Khadka zum neuen Direktor von MAITI ernannt. Sie selbst ist aber immer noch ehrenamtlich bei MAITI tätig.

Treffen mit Anuradha Koirala November 2018
Treffen mit Anuradha Koirala November 2018

Im November 2018 sind wir zu viert nach Nepal gefahren - die Besuche vor Ort übernehmen zukünftig die beiden Vorstandsmitglieder Ina Specht und Jan Sprünken. Bernd Brixius und Johanne Feldkamp, die in den letzten 10 Jahren sechs Mal die Projekte besucht haben, wünschten sich, dass diese Fahrten die nächste Generation übernimmt. Sie haben sich vor Ort verabschiedet und die beiden neuen pro filia-VertreterInnen vorgestellt - auch eine bewegende Erfahrung! Begleitet wurden wir auf der einwöchigen Tour wieder durch Sabin Gurung, unserem Ansprechpartner bei MAITI. Er hat auch vor Ort immer für die Übersetzungen vom englischen in die nepalesische Sprache und umgekehrt gesorgt.

 

4. Die pro filia-Projekte in Nepal

Projekt 1: Aufklärungskampagnen und Aufbau von Hilfsnetzwerken

Ziele dieses Projekts sind, 

  • Menschen über die drohenden Gefahren der Versklavung aufzuklären bei scheinbar attraktiven Jobangeboten oder Heiratsversprechen.
  • die Wiedereingliederung überlebender Mädchen zu verbessern, die bisher auf viel Ablehnung stoßen.
  • ein Hilfsnetzwerk für Mädchen aufzubauen.

Verwandte Methoden sind unter anderem Gesprächsrunden in Dörfern an Markttagen, Straßentheater zum Thema Mädchenhandel, Demonstrationen für Mädchen- und Frauenrechte, Information von SchülerInnen und Schulung von Schlüsselpersonen wie Soldaten und PolizistInnen!

Bei unserem Projektbesuch 2018 haben wir uns erstmalig selbst an einer Aufklärungskampagne und einer Informationsveranstaltung für SchülerInnen beteiligt. Zusammen mit Grenzbeobachterinnen, Polizistinnen und Vertreterinnen von Frauengruppen sind wir durch Dörfer von Haus zu Haus gezogen, haben Menschen angesprochen und Informationsmaterialien zu Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten verteilt.

Vorbereitung der Kampagne  Teilnehmerinnen
Vorbereitung der Kampagne …    … Teilnehmerinnen

Plakate werden geklebt  und nach unserem Besuch der Dorfschule beteiligen sich auch SchülerInnen an der Kampagne
Plakate werden geklebt …   … und nach unserem Besuch der Dorfschule beteiligen sich auch SchülerInnen an der Kampagne!

Durchgeführt werden die Kampagnen auch unter Beteiligung junger Frauen, die - inzwischen bei MAITI angestellt - selbst Überlebende von häuslicher Gewalt oder Mädchenhandel sind oder noch rechtzeitig davor bewahrt werden konnten. Durch die Aufklärungskampagnen werden also auch Arbeitsplätze für gerettete junge Frauen geschaffen.

Ergebnisse 2018
in den Einzugsgebieten von Pashupatinagar und Itahari:

  • Mit Tür-zu Tür-Aufklärung, Straßentheater, Informationsveranstaltungen zu Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten wurden an Markttagen in vielen Dörfern rund 2.000 Personen erreicht.
  • Es wurden 1.720 Soldaten und PolizistInnen zum Thema Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten geschult.
  • 440 SchülerInnen und StudentInnen und 54 LehrerInnen wurden aufgeklärt über Menschenhandel, Hilfsnetzwerke und Schutzmöglichkeiten.
  • 200 Schlüsselpersonen wie neu gewählte PolitikerInnen, JournalistInnen, BehördenmitarbeiterInnen wurden über das Thema informiert.
  • Am Internationalen Frauentag wurden 500 Frauen über ihre Rechte aufgeklärt.
  • An 16 Informationstagen wurden 395 TeilnehmerInnen zum Thema Gewalt gegen Frauen und Hilfsmöglichkeiten geschult.

 

Projekt 2: Grenzbeobachterinnen

Grenzbeobachterinnen sind meist gerettete junge Frauen, die von MAITI ausgebildet wurden und einen Arbeitsplatz direkt an belebten Grenzübergängen nach Indien erhalten. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung sprechen sie ihnen als gefährdet erscheinende Mädchen direkt an und bieten als sofortigen Zufluchtsort das Schutzhaus an.

Allein an der Grenze nach Indien in Pashupatinagar wurden 2018 insgesamt 2.110 Mädchen/junge Frauen angesprochen und außerdem rund 45.000 Autos, Rikschas etc. angehalten, überprüft und mit Informationen über die Gefahren von Versklavung versorgt.

Unsere jetzt insgesamt 35 Grenzbeobachterinnen arbeiten an acht Grenzübergängen zu Indien. Jede von ihnen hält jährlich im Durchschnitt noch 50 junge Mädchen direkt an der indischen Grenze auf und vermittelt sie z.B. in ein MAITI-Schutzhaus. Mit den jetzt von pro filia finanzierten Stellen erhalten also jedes Jahr rund 1.750 Mädchen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben.

Rikscha an  und befragen ein Paar auf dem Weg nach Indien
Grenzbeobachterinnen halten eine Rikscha an …  … und befragen ein Paar auf dem Weg nach Indien

Bei unseren Projektbesuchen bewundern wir jedes Mal, wie selbstbewusst und mit welcher Autorität die Grenzbeobachterinnen auf Rikschas und Autos zugehen, in denen ein gefährdetes Mädchen sitzen könnte. Sie lassen sich vom Fahrer die Papiere zeigen und holen auch Mädchen aus den Fahrzeugen. Es wird auch versucht, Angaben telefonisch zu überprüfen. Die Grenzpolizei ist dabei immer in Sichtweite - eine schwere Arbeit in lauter, staubiger und wuseliger Atmosphäre.

 

Projekt 3: Das Schutzhaus Pashupatinagar

Schutzhäuser bieten gefährdeten Mädchen direkt an der Grenze sofortige Hilfe und sind auch oft der erste Zufluchtsort für die Mädchen, die aus indischen Bordellen befreit werden konnten. Auch bei Fällen häuslicher Gewalt oder nach Vergewaltigungen finden Mädchen und Frauen hier Unterstützung.

Empfang im November 2018 im Schutzhaus in Pashupatinagar  Empfang im November 2018 im Schutzhaus in Pashupatinagar
Empfang im November 2018 im Schutzhaus in Pashupatinagar

Ergebnisse 2018 für das Schutzhaus Pashupatinagar:

  • Das Schutzhaus Pashupatinagar bietet Platz für den Aufenthalt von parallel 20 Mädchen/ jungen Frauen, die manchmal nur sehr kurz bleiben, manchmal für längere Zeit - je nach Bedarf. Es wird Kontakt mit den Eltern aufgenommen, wenn die Mädchen den Wunsch äußern. In Familiengesprächen wird dann geklärt, ob das Mädchen nach Hause zurückkehrt oder z.B. in ein Reha-Heim verlegt wird.
  • Das Schutzhaus intervenierte 2018 erfolgreich bei insgesamt 368 Mädchen/junge Frauen - die Jüngste war 14 Jahre alt - und bewahrte sie damit vor einem Verkauf.
  • 8 Mädchen/junge Frauen kamen aus Situationen, in denen sie sexuelle Ausbeutung oder Missbrauch erlebt hatten.
  • Das Schutzhaus stellt auch den zentralen Ansprechpartner bei weiteren Gewalttaten gegen Mädchen/junge Frauen dar: 2018 kamen 17 Mädchen aus Situationen häuslicher Gewalt in das Schutzhaus. In Gesprächen mit allen Beteiligten wurde dann nach Lösungen gesucht und auch oft gefunden.
  • Ein Mädchen wurden nach einer Vergewaltigung aufgenommen - der Täter angezeigt.
  • 2018 wurden vom Schutzhaus 45 vermisste Mädchen gesucht, von denen MAITI 18 ausfindig machen und nach Hause zurückbringen konnte.

Bei unserem Besuch im November 2018 waren wir sehr betroffen vom Schicksal eines 15jährigen Mädchens. Sie war nach einer Vergewaltigung schwanger geworden und lebt bis zur Geburt erst einmal im Schutzhaus. Wie es dann weitergeht, weiß im Moment niemand! Zu ihrer Familie kann sie wohl nicht zurück und Mutter-Kind-Angebote gibt es in Nepal kaum. Da der Täter - ein Polizist - bekannt ist, wurde von MAITI für eine Anklage gesorgt. Er sitzt im Gefängnis und es wird von einer Verurteilung zu 7-10 Jahren Gefängnis ausgegangen. Da aber Väter Anrecht auf die Kinder haben, könnte der Vater nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis bis jetzt noch das Sorgerecht für das Kind beantragen.

Und wie versorgt die Mutter ihr Kind und sich nach der Geburt? Ohne Ausbildung und Arbeitsplatz ist die Aussicht sehr groß, dass sie sich prostituieren muss oder sich verführen lässt von vermeintlich attraktiven Jobangeboten in Indien - und dann mit Kind in einem Bordell landet. Außerdem hängt die Staatszugehörigkeit des Kindes bislang noch vom Vater ab. D.h., wenn die Mutter keinen Vater angeben würde, bliebe das Kind staatenlos und hätte keinerlei Rechte - wie z.B. auf einen Schulbesuch! Hierfür sind nach Auskunft von MAITI gesetzliche Änderungen in Arbeit. Auch Mütter sollen zukünftig die Staatsangehörigkeit weitergeben können an ihre Kinder.

Wir haben diese Regelungen ausführlich mit dem MAITI- und später auch dem pro filia-Team diskutiert. Auch die nepalesischen MitarbeiterInnen waren betroffen - genauso wie der Münsteraner pro filia-Vorstand. Folgende Entscheidungen wurden gefällt:

  • pro filia hat an die Gründerin von MAITI - Anuradha Koirala - einen Brief geschrieben und bat sie um politische Einflussnahme in ihrer neuen Rolle als Gouverneurin des Bezirks Kathmandu. Sie hat uns inzwischen zugesagt, auch auf politischer Ebene alles zu tun, was in ihrer Macht steht, damit alleinstehende Mütter mehr Rechte und Unterstützung erhalten.
  • Unser Ziel ist auch, ein Mutter-Baby-Angebot aufzubauen. Mit MAITI zusammen soll ein wenig genutztes Haus auf dem MAITI-Areal in Kathmandu für dieses Projekt eingerichtet werden. Ziel ist, hier zukünftig alleinstehende Mütter und ihre Babies aufzunehmen. Sie sollten mindestens ein Jahr bleiben können, damit die Mutter die Chance erhält, an beruflichen Trainings teilzunehmen wie z.B. zur Krankenschwester oder ein eigenes kleines Unternehmen aufzubauen wie z.B. einen Kochstand auf dem Markt. Außerdem ist es auch für das Baby äußerst wichtig, gerade im ersten Lebensjahr geschützt zu sein und die Aussicht auf weitere Stabilität durch eine Mutter zu haben, die eigenes Geld verdient und ein menschenwürdiges Leben führen kann. Zurzeit - im Februar 2019 - stehen wir in engem Kontakt mit MAITI hinsichtlich der Entwicklung eines Konzepts und des Kostenplans.
  • pro filia wird alles dafür tun, das dafür notwendige Geld zusammen zu bekommen - z.B. Spendenaufrufe tätigen, sich bei Stiftungen bewerben und SponsorInnen oder SpenderInnen aufzutun für das Mutter-Baby-Projekt.

 

Das Schutzhaus Bhairahawa:

Der finanzielle Zuschuss von pro filia für das Schutzhaus Bhairahawa ist nur noch gering, da sich andere SpenderInnen fanden. Das Geld wird vor allem für Aufklärungskampagnen und den Aufbau von Hilfsnetzwerken im Bezirk Bhairahawa eingesetzt, die vom dortigen Schutzhaus organisiert werden.

 

Projekt 4: Das Reha-Heim Itahari

Gerettete Mädchen, die nicht nach Hause zurückkehren können oder wollen, vor häuslicher Gewalt fliehen, vergewaltigt wurden oder unter extremer Armut leiden, werden auf Wunsch in ein MAITI-Reha-Heim verlegt. Hier werden sie auf ein selbständiges Leben vorbereitet und nehmen an beruflichen Trainings teil. Es gibt Kurse z.B. zu moderner Landwirtschaft, zur Hotelköchin, zur Schneiderin etc.!

Schneiderinnen-Ausbildung im Heim
Schneiderinnen-Ausbildung im Heim

Bei unseren Besuchen äußerten viele betreute Mädchen ihre Sorge um ihre Zukunft. Die meisten wollen gern eigenes Geld verdienen, um sich selbst ein menschenwürdiges Leben aufzubauen. Deswegen ist es äußerst wichtig, dass pro filia alles dafür tut, weitere Fortbildungen und Anschubfinanzierungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen oder den Aufbau eines eigenen kleinen Geschäfts zur Verfügung zu stellen. Die Ausweitungen 2018 werden unter den Projektpunkten 5 und 6 beschrieben.

Gesprächsrunde im Rehaheim bei unserem Besuch 2018  Gesprächsrunde im Rehaheim bei unserem Besuch 2018
Gesprächsrunde im Rehaheim bei unserem Besuch 2018

Auf unsere Nachfrage in der ausführlichen Gesprächsrunde mit den geretteten Mädchen bei unserem Novemberbesuch im Rehaheim äußerten viele auch Interesse an Ausbildungen im Gesundheitsbereich und an der Erlangung des Führerscheins. Das Letztere erweist sich als schwierig, weil die jungen Frauen in der Regel nach 6 Monaten das Heim verlassen und dann kaum noch Möglichkeiten haben, das Autofahren zu üben. Aber sowohl sie als auch die Mitarbeiterinnen plädieren dafür, die Ausbildungen fortzuführen.

Gerettete Mädchen/junge Frauen im Rehaheim
Gerettete Mädchen/junge Frauen im Rehaheim

Ergebnisse 2018:

  • 2018 wurden 40 gerettete Mädchen/junge Frauen im Reha-Heim für jeweils ein halbes Jahr betreut. Sie beginnen, lesen, schreiben und rechnen zu lernen und durchlaufen berufliche Trainings. Sie erhalten auch viele Informationen ihren zukünftigen Alltag betreffend - wie z.B. Schutz vor HIV, Gefahren früher Heirat, Geburtenkontrolle, Frauenrechte, Hilfsmöglichkeiten und Schutz gegen Menschenhandel.
  • Weitere 10 Mädchen/junge Frauen waren nur kurz da, weil sie schnell zu ihren Familien zurückkehren konnten und wollten.
  • 34 der 40 Mädchen/jungen Frauen beendeten ihre Ausbildung regulär.
  • Vier aus einem indischen Bordell befreite Mädchen wurde betreut.
  • Von 45 als vermisst gemeldeten Mädchen konnten 18 gefunden werden.
  • Bei kriminellem Geschehen wie Vergewaltigung, Mädchenhandel etc. wird Anzeige erstattet.
  • 2018 zeigte MAITI in Itahari 3 Menschhändler an, die im Gefängnis auf ihren Prozess warten.

 

Projekt 5: Ausbildungsangebote

Inzwischen finanziert pro filia eine Reihe von Ausbildungen für gefährdete und gerettete Mädchen und junge Frauen. Wie schon beschrieben, werden im Reha-Heim Itahari bereits seit längerer Zeit jährlich ca. 35-40 gerettete junge Mädchen/Frauen ausgebildet - z.B. zur Schneiderin, Köchin, Landwirtin, Friseurin, Taschenherstellerin.

Um noch mehr Mädchen und jungen Frauen berufliche Perspektiven im eigenen Land zu ermöglichen und sie dadurch weniger verführbar zu machen für scheinbar attraktive Heiratsversprechen und Jobangebote in Indien durch Mädchenhändler, hat pro filia zusätzliche Ausbildungsangebote entwickelt. Außerdem sollen nicht nur Ausbildungen in klassischen Frauenberufen, sondern auch berufliche Möglichkeiten geschaffen werden, die vielfältiger sind, mehr Einkommen versprechen und zu mehr Selbstbewusstsein führen.

 

Projekt 5.1: PC-Ausbildung

Seit 2013 finanziert pro filia Computer-Trainings für jährlich 40 Mädchen. Das Programm wird zum einen präventiv angeboten: Mädchen aus prekären Familienverhältnissen werden durch diese Ausbildung geschützt vor einem Verkauf. Zum anderen bietet es auch geretteten jungen Frauen eine eigenständige Lebensperspektive. Die Kosten für die Einrichtung des dafür notwendigen PC-Trainingsraums, anstehende Reparaturen oder Käufe neuer Computer werden von pro filia übernommen. Zusätzlich finden Wochenendtrainings statt für junge Mädchen ab 10 Jahren, um sie z.B. durch ein Malprogramm an PCs heranzuführen!

Das PC-Ausbildungszentrum in Pashupatinagar
Das PC-Ausbildungszentrum in Pashupatinagar

Auch 2018 wurden 40 Mädchen/junge Frauen am Computer ausgebildet. Die meisten waren zwischen 17 und 25 Jahre alt - die jüngste 15 Jahre alt. Die Gruppe war sehr gemischt: Die jungen Frauen kamen aus unterschiedliche Kasten, waren alleinstehend, verheiratet oder geschieden und einige hatten bereits Kinder. Alle hatten ein schweres Leben - kamen aus großer Armut, erlebten massive Gewalt oder waren Überlebende von Verkaufs- oder Entführungssituationen.

Neben der Computerschulung erhielten sie auch eine Fortbildung zum Thema Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten, um z.B. in ihren Dörfern andere Mädchen über die Gefahren aufzuklären.

Fast ein Drittel der ausgebildeten Mädchen fand mit Unterstützung von MAITI einen Arbeitsplatz z.B. in Ausbildungsinstituten, in Schulen oder Behörden. Einige arbeiten auch bei MAITI.

 

Projekt 5.2: Ausbildung zur Imkerin

2018 wurden 15 Mädchen/junge Frauen zur Imkerin ausgebildet.

Ausbildung zur Imkerin
Ausbildung zur Imkerin

 

Projekt 5.3: Ausbildung zur Pilzfarmerin

25 Mädchen/junge Frauen erhielten 2018 ein Training zur Pilzfarmerin.

Ausbildung zur Pilzfarmerin
Ausbildung zur Pilzfarmerin

 

Projekt 5.4: Ausbildung zur Fahrerin

Dieses Angebot haben wir 2017 entwickelt. Bei der Ausbildung zur Fahrerin unterscheiden wir zwischen dem Führerschein für Elektromotor-Rikschas und dem für PKWs. Sinnvoll scheint uns zu sein, sich im ersten Schritt durch das Fahren einer e-Rikscha mit dem Straßenverkehr vertraut zu machen. Als Nächstes steht dann der Auto-Führerschein an. pro filia bezahlte die Ausbildung für 10 junge Frauen zur e-Rikscha-Fahrerin und ebenfalls für 10 die Ausbildung für den Erwerb eines PKW- Führerscheins. Diese Ausbildungen sind auch 2018 noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich bestehen viele Männer und noch mehr Frauen die Fahrprüfung nicht. Bei den Rehaheim-Bewohnerinnen kommt - wie gesagt - noch dazu, dass sie in der Regel nach 6 Monaten das Heim verlassen und dann kaum noch Möglichkeiten haben, das Autofahren zu üben. Aber sowohl die jungen Frauen als auch die Mitarbeiterinnen plädieren dafür, am Ball zu bleiben. Autofahren zu lernen sei für ihr Selbstgefühl genauso wichtig wie das Erwerben von PC-Kompetenzen. Wir werden überlegen, wie wir weitere Unterstützung leisten können.

Fahrerin-Ausbildung in der e-Rikscha  und im PkwFahrerin-Ausbildung in der e-Rikscha …  … und im Pkw


Projekt 5.5: Ausbildung für besonders stark traumatisierte junge Frauen

2018 unterstützte uns die Egon-Schumacher-Stiftung: Sie spendete 5.000 €, um die Ausbildung besonders belasteter junger Frauen zu gewährleisten. Sie waren stark traumatisiert und oft nicht in der Lage, sich in klassische Ausbildungen oder Arbeitsplätze einzufinden. Auch Arbeitgeber tun sich oft schwer mit den jungen Frauen. Ziel war, sie bei einem Ausbildungstraining zu unterstützen, das ihnen ermöglicht, ein kleines Geschäft aufzubauen, in dem sie selbständig tätig sein können. Dabei werden sie von MAITI begleitet. Konkret erhielten ab September 2018 je 10 junge Frauen im Alter zwischen 17 und 24 Jahren eine Ausbildung als Friseurin/Kosmetikerin oder Köchin, um später einen kleinen Markstand oder Friseursalon zu installieren. Parallel zur fachlichen Ausbildung lief im Heim ein Kurs zu Fragen des Aufbaus eines Geschäfts und dessen Management. Für die Anschubfinanzierung des eigenen kleinen Unternehmens will MAITI Geld zur Verfügung stellen.

Unser Besuch 2018 am Ausbildungsort der zukünftigen Köchinnen und Friseurinnen!
Unser Besuch 2018 am Ausbildungsort der zukünftigen Köchinnen und Friseurinnen!

 

Projekt 5.6: Ausbildung im Gesundheitsbereich

In vielen Gegenden Nepals mangelt es massiv an medizinischer Versorgung. Hier sehen wir eine berufliche Zukunft für junge Frauen. Diese Arbeit wäre nicht nur sehr anerkannt, sondern würde mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein ausreichendes Einkommen für ein menschenwürdiges Leben garantieren.

pro filia ist schon längere Zeit auf der Suche nach geeigneten Ausbildungsmöglichkeiten im Gesundheitsbereich, was aber immer wieder scheiterte. Auch 2019 werden wir uns weiter darum bemühen. MAITI will die Möglichkeit erkunden, ob junge Mütter, die im Rahmen des neuen Mutter-Baby-Projekt in Kathmandu aufgenommen werden, eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvieren können.

 

Projekt 6: Schaffung von Arbeitsplätzen

Nach Beendigung der Ausbildung entstehen für viele junge Frauen immer wieder Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden, der ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Um hier hilfreiche Lösungen anzubieten, wurde mit MAITI ein Konzept zur Arbeitsplatzbeschaffung entwickelt. Neben der Unterstützung bei direkter Jobsuche sollen ausgebildete junge Frauen durch Anschubfinanzierungen die Chance erhalten, ein für ihren Lebensunterhalt ausreichendes Einkommen zu verdienen.

 

Projekt 6.1: Schreibbüros

Beim Treffen mit MAITI Ende 2013 wurde beschlossen, an möglichst vielen Orten im Bezirk Ilam (Pashupatinagar) ein Schreibbüro aufzumachen, besetzt mit mindestens zwei jungen Frauen, die die PC-Ausbildung abgeschlossen haben. Dafür werden Orte ausgesucht, in denen dieses Angebot noch nicht vorhanden ist. Neben Dienstleistungen wie Briefe schreiben, Kopieren, Scannen und Internetzugang werden auch Informationen über Mädchenhandel und Schutzmöglichkeiten gegeben. Dadurch sollen noch mehr Menschen aufgeklärt und weitere Mädchen immunisiert werden gegen verführerisch klingende Eheversprechen und Stellenangebote z.B. in Indien. Bis Ende 2018 konnten 8 Schreibbüros installiert werden.

Bei unserem Besuch mehrerer Schreibbüros im November 2018 trafen wir auf sehr unterschiedliche Entwicklungen. Manche Frauen haben die Büros stark ausgeweitet - sie bieten nicht nur einfache Dienstleistungen, sondern auch PC-Kurse für junge Mädchen an - ein sehr erwünschter Schneeballeffekt! Außerdem sind sie Anlaufstelle geworden für gefährdete Mädchen, die selbst kommen oder von der Polizei gebracht werden. Sie beraten sie und lassen sie dann auf Wunsch ins Schutzhaus nach Pashupatinagar bringen. Da sie wichtige Aufgaben übernehmen, unterstützt auch die Kommune sie.

Ein anderes Büro liegt in einen sehr armen Gegend - wir kamen nur über holprigste Wege in einem Auto mit Vierradantrieb hin. Die Region ist stark von zahlreichen Vergewaltigungen geprägt. Wahrscheinlich ist das auch eine Folge des massiven Frauenmangels in Indien - die Gegend ist Grenzgebiet. Hier können die EinwohnerInnen nicht für die genutzte Computerarbeit zahlen, wenden sich aber auch immer wieder bei Vergewaltigungen an das Büro und holen sich Rat. Die beiden Mitarbeiterinnen vermitteln sie dann ans Schutzhaus. MAITI zahlt ihnen dafür ein kleines Gehalt - sie betrachten es als Außenstelle des Schutzhauses.

Ein weiteres Schreibbüro hält jetzt ein gemischtes Angebot für Frauen vor - neben Computerarbeit werden Näharbeiten erledigt, kosmetische Behandlungen angeboten und in einem kleinen Shop Drogerieprodukte verkauft:

Besuch in Schreibbüros  Besuch in Schreibbüros
Besuch in Schreibbüros

Insgesamt staunten wir über die vielen kreativen Ideen, die die jungen Frauen entwickeln und freuten uns darüber, dass in allen Büros aktiv gearbeitet wird.

 

Projekt 6.2: Schneidereien

Von 2015 an wurde mit MAITI der Aufbau von Schneidereien geplant, in denen jeweils bis zu 6 junge Frauen beschäftigt sein sollten. Sie sind in sehr einfachen kleinen Räumen untergebracht, um die Mietkosten möglichst gering zu halten. pro filia bezahlte die Anschubfinanzierung mit dem Ziel, dass sich die Schneidereien nach etwa einem Jahr selbst tragen. Inzwischen gibt es an 10 Orten eine Schneiderei.

Auch hier ist die Entwicklung vielfältig: Die beteiligten Frauen versuchen zum Teil, durch weitere Angebote wie Schuhe und Deko-Objekte das kleine Geschäft zur Boutique zu machen. Andere arbeiten im bisherigen Team mit reinen Nähaufgaben weiter und kommen finanziell so gerade über die Runden. Bei einer weiteren Schneiderei waren wir sehr verblüfft - waren hier bei unserem Besuch vor zwei Jahren vier Frauen beschäftigt, erwarteten uns jetzt 16! Das Anfangsteam hatte sich mit der örtlichen Müttergruppe zusammen getan und das Geschäft weiterentwickelt. Auch hier finden jetzt z.B. Nähkurse für junge Mädchen statt. Die beteiligten Frauen waren mit Recht sehr stolz auf ihre Arbeit:

Empfang in der großen Schneiderei mit Hutgeschenk
Empfang in der großen Schneiderei mit Hutgeschenk!

 

Projekt 6.3: Anschubfinanzierung für den Aufbau eines eigenen kleinen Unternehmens

pro filia überweist immer wieder Geld für Anschubfinanzierungen. Damit soll jungen Frauen ermöglicht werden, ein eigenes kleines "Business" aufzubauen. Die meisten gründen zusammen mit anderen Frauen eine kleine Schneiderei, eine Boutique, einen Kochstand oder einen Friseursalon. Dabei erhalten sie in der Anfangsphase Hilfestellung durch MAITI.

Ende 2018 wurden die jungen Frauen aus dem Reha-Heim entlassen, die dort mit Unterstützung der Egon-Schumacher-Stiftung eine Ausbildung zur Köchin oder Friseurin/Kosmetikerin absolvierten. Sie werden bei dem Aufbau eines eigenen kleinen Unternehmens von MAITI unterstützt.

 

5. Geplante Projekte 2019

Schon jetzt können wir absehen, dass pro filia im Jahr 2019 auf jeden Fall die bisherigen Projekte weiter finanziert:

  • Aufklärungskampagnen und Aufbau/Pflege von Hilfsnetzwerken in den Bezirken Ilam/Pashupatinagar, Bhairahawa und Itahari
  • Die Gehälter von 35 Grenzbeobachterinnen
  • Das Schutzhaus Pashupatinagar an der indischen Grenze zu Darjeeling
  • Das Reha-Heim Itahari
  • Die Finanzierung der PC-Ausbildung für 40 Mädchen.

Sicher für uns ist auch, dass wir 2019 alles dafür tun werden, ein Mutter-Baby-Angebot für alleinstehende Mütter aufzubauen. Das ist uns nach dem letzten Besuch eine besondere Herzensangelegenheit. Und wir haben das Ziel, zusätzliche Ausbildungen im Gesundheitsbereich zu ermöglichen.

 

6. Kooperationen

Neben der Kooperation mit MAITI Nepal arbeitete pro filia auch 2018 mit dem SI (Soroptimisten International)-Club Münster-Mauritz zusammen. Die Soroptimistinnen organisierten 2018 einen Flohmarktstand und ein üppiges Benefizfrühstück zu Gunsten von pro filia und der Förderverein stellte Geld zur Verfügung - so dass uns 2018 insgesamt 3.500 € überwiesen werden konnten!

Stefanie Albrecht und Dr. Maria Desmedt vom SI-Club Münster-Mauritz beim Benefiz-Frühstück
Stefanie Albrecht und Dr. Maria Desmedt vom SI-Club Münster-Mauritz beim Benefiz-Frühstück

Diese Spenden haben wir für die Bezahlung der Gehälter von 4 Grenzbeobachterinnen eingesetzt. Begleitet wird die gemeinsame Arbeit durch regelmäßige Kooperationstreffen - 2018 mit zwei Sitzungen.

 

7. Aktivitäten 2018

2018 wurden wieder viele Aktionen durchgeführt, um das Thema "Mädchenhandel" weiter bekannt zu machen und neue Mitglieder und Spenden für unsere Projekte zu erhalten:

 

7.1 Aktionen 2018 von pro filia:

  • Vortrag über den letzten Besuch unserer Projekte in Nepal beim Benefizfrühstück des Soroptimisten-Clubs Münster-Mauritz am 3.3.2018:

SI-Benefizfrühstück
SI-Benefizfrühstück

  • An zwei Doppelkopfabenden am 23.2.2018 und am 12.10.2018 im "Bunten Vogel" wurden rund 900 € an pro filia gespendet:

Doppelkopfabend

  • Auf dem zweitägigen pro filia-Informationsstand auf dem Kreuzviertelfest am 25./26.8.2018 konnten wir fünf neue Mitglieder gewinnen!

Kreuzviertelfest 2018
Kreuzviertelfest 2018

  • Die Steuerverwaltung NRW hat pro filia anerkannt für die Zuweisung von Geldauflagen bei Steuerstrafverfahren: 2018 wurden uns 2.500 € überwiesen!
  • Ein wichtiges Projekt 2018 war unsere Reise nach Nepal - dieses Mal zu viert. Ina Specht und Jan Sprünken aus dem Vorstand fuhren zusammen mit Bernd Brixius und Johanne Feldkamp, die die bisherigen Besuche allein absolviert hatten. Auf eigenen Wunsch verabschiedeten sich die beiden letzteren in den einzelnen Stationen und freuten sich, dass die nächste Generation die Aufgabe der Projektvisiten jetzt übernimmt! Allen Vieren wurde wieder sehr deutlich, wie bedeutsam die Besuche sind, um die Probleme vor Ort besser einschätzen zu können und mit MAITI zusammen tragfähige Lösungen zu finden.
  • Bereits im Frühsommer 2018 begannen wir mit den Vorbereitungen für die 5. pro filia Kunstauktion am 7.4.2019. Viele Atelierbesuche standen dabei im Mittelpunkt. Wir schafften es, bis Ende 2018 Fotos aller zu versteigernden Arbeiten auf unsere Homepage zu setzen, so dass jede/r InteressentIn sich schon drei Monate vor der Auktion über das Angebot der KünstlerInnen informieren konnte.

 

7.2 Aktionen für pro filia

  • Zahlreiche Boule-Turniere, organisiert von Konrad Averbeck, erbrachten rund 2.250 Euro:

Boule hinter dem Schloss am 20.6.2018
Boule hinter dem Schloss am 20.6.2018

  • Der 4. Yoga-Sommer, organisiert von Leben & Reisen: Yoga fand von Mitte Juni bis Mitte September jeden Freitag Nachmittag auf den Aasee-Wiesen statt und wurde von vielen Menschen genutzt. An manchen Treffen nahmen während dieses heißen Sommers rund 80 InteressentInnen teil! Jede/r spendete ca. 5 €, die in vollem Umfang an pro filia weitergegeben wurden - Ilona Tertilt und Dagmar Merforth konnten anschließend fast 3.000 € überreichen! Ein Rekord! Die Yoga-LehrerInnen stellten ihre Arbeitszeit gratis zur Verfügung!

Yoga-Sommer 2018
Yoga-Sommer 2018

  • Mit dem Verkauf von Büchern erzielten Tina Reuther und Isabelle Feix 1.500 €, die sie an profilia überwiesen.
  • Wie oben schon beschrieben, spendete die Egon-Schumacher-Stiftung 2018 den Betrag von 5.000 € an pro filia, mit denen 20 schwer traumatisierte Mädchen/junge Frauen im Rehaheim ausgebildet wurden zur Köchin oder Friseurin:

Dr. Tanja Schumacher von der Egon-Schumacher-Stiftung
Dr. Tanja Schumacher von der Egon-Schumacher-Stiftung

  • Johanna Seehausen sammelte anlässlich ihres runden Geburtstags mehr als 1.000 € für pro filia!
  • Jürgen Sager machte regelmäßig in Altenheimen Musik - zusammen mit zwei syrischen Mädchen. Der Erlös wurde wieder pro filia gespendet:

Jürgen Sager mit Mirna und Natali
Jürgen Sager mit Mirna und Natali

  • Weitere Spenden erhielt pro filia anlässlich von Geburtstagen, Beerdigungen, Hochzeiten, Festen.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen UnterstützerInnen der Aktionen - bei den Mitgliedern, SpenderInnen, SponsorInnen, StandsteherInnen und KuchenbäckerInnen! Ganz großen Dank auch an Stefani Bültel, die beim Jahresbericht und auf der pro filia Website für die englischen Übersetzungen sorgt.

 

7.3 Bereits geplante Aktionen für 2019

  • Weitere Präsentationen wo möglich
  • Informationsstand auf dem Kreuzviertelfest 2019 in Münster
  • Zwei Doppelkopfabende
  • Die 5. pro filia Kunstauktion am 7. April 2019!

 

8. Situation des Vereins pro filia Ende 2018

8.1. Mitglieder

Ende 2018 hat pro filia 205 Mitglieder! Die nächste Mitgliederversammlung findet am 17.Mai 2019 um 19 Uhr in der Marientalstraße 78 in Münster statt.

8.2. Finanzen

Die beiden Kassenprüfer Hajo Schoo und Dirk Sprünken haben 2018 den Jahresabschluss 2017 geprüft und für korrekt befunden. Die Mitglieder entlasteten den Vorstand auf der Mitgliederversammlung am 20.4.2018. Auch das Finanzamt Münster hat am 13.12.2018 erneut einen Freistellungsbescheid erteilt.

2018 überwies pro filia rund 93.000 € an MAITI. Gut 53.000 Euro wurden in das Jahr 2019 übertragen - womit unsere nächste Überweisung an MAITI im April 2019 gut abgesichert ist. Die Ausgaben in Höhe von rund 3.800 € (Projektvisiten-, Programmier-, Grafiker-, PC- und Bankkosten) wurden von Vorstands- und Geschäftsführungsspenden oder durch Sponsoring bezahlt. In den ersten 8 Jahren des Bestehens von pro filia wurden die notwendigen Projektbesuche vor Ort zu 100% privat getragen. 2016 wurde vom Vorstand beschlossen, dass alle zwei Jahre zwei VertreterInnen von Vorstand und Geschäftsführung je 1.000 € Zuschuss für die Projektvisite erhalten - auch vollständig finanziert aus Vorstandsspenden! Alle Förderbeiträge und Spenden außerhalb des Vorstands gehen nach wie vor zu 100 % nach Nepal.

Die detaillierte Bilanz 2018 - wie bereits die Bilanzen 2008-2017 - und alle Spenden über 1.000 Euro sind auch für 2018 auf unserer Website auf der Home-Seite unten rechts unter dem Punkt „Selbstverpflichtungserklärung“ eingestellt.

8.3. Vorstand und Geschäftsführung

2018 wurde der pro filia - Vorstand für 2 Jahre neu gewählt. Er hat folgende Mitglieder: Ina Specht, Josef Humbert, Brigitte Wierling, Jan Sprünken, Bernd Brixius (Kassenwart) und Mechthild Spener (Vorstandsvorsitzende). Geschäftsführerin bleibt Dr. Johanne Feldkamp.

8.4. Datenschutzerklärung nach DSGVO

Im 1. Quartal wurde die Datenschutzerklärung nach DSGVO von pro filia erarbeitet, für die praktische Arbeit konkretisiert und auf die Website gestellt.

8.5. Ausblick

Nach 10 Jahren wissen wir noch deutlicher: Nepal ist und bleibt ein unruhiges Land mit sehr belastenden sozialen, politischen und geographischen Rahmenbedingungen. Hinzu kommen Gesetze, die es Frauen und Mädchen oft besonders schwer machen. Ihnen werden weniger Rechte zugestanden und sie bleiben in Vielem abhängig von Männern. Besonders deutlich wurde uns das an dem Beispiel des vergewaltigten und schwangeren jungen Mädchens. Hier hoffen wir auf politische Veränderungen. Und pro filia wird alles dafür tun, 2019 ein Hilfsangebot für diese alleinstehenden jungen Mütter und ihre Babies aufzubauen.

Unser großes Ziel bleibt, möglichst viele Mädchen und Frauen in die Lage zu versetzen, eine Ausbildung zu absolvieren, eigenes Geld zu verdienen und ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Wenn Schneeballeffekte entstehen wie in unseren Schneidereien und Schreibbüros, gibt uns das Hoffnung auf nachhaltig positive Entwicklungen. Mit zunehmender Bildung und einem eigenen Einkommen werden Frauen immer stärker den ihnen zustehenden Platz in der nepalesischen Gesellschaft besetzen und zu mehr Stabilität beitragen.

Auch 2018 haben die pro filia-Mitglieder, KooperationspartnerInnen und viele SpenderInnen es uns ermöglicht, die dafür notwendige Unterstützung zu leisten. Ihnen allen von ganzem Herzen Dank dafür!

 

Februar 2019
Dr. Johanne Feldkamp
Geschäftsführerin pro filia e.V.